Am Mittwoch, dem 23. September 2026
fand im Land Salzburg ein umfassender Ausschusstag statt, an dem die Vertreter*innen der Petition „Unterstützung für Familien mit Kindern mit unsichtbaren Behinderungen“ (Shahzad Sahaib, Michaela Laabmyr sowie Irene Moser (Vorsitzende IÖ)) zu Stellungnahmen angefragt wurden.
Es ging vorwiegend um die Frage, wie ein „one-stop-shop“ eingerichtet werden kann, also eine Stelle, welche Erziehungsberechtigte von Kindern mit Behinderungen umfassend beraten und unterstützen kann.
Zudem wurden Stellungnahmen von Expert*innen im Burgenland eingeholt, um pflegende Eltern vor Armut und Obdachlosigkeit zu schützen.
Die Idee wäre, die Anstellung von pflegenden Angehörigen im erwerbsfähigen Alter zu ermöglichen, die sich primär der Betreuung ihrer Angehörigen widmen und daher einer Beschäftigung nicht nachgehen können, wie dies in einem burgenländischen Pilotprojekt bereits umgesetzt wird. https://www.soziale-dienste-burgenland.at/anstellungsmodell-fuer-betreuende-angehoerige-wird-ausgeweitet/
Trotz der dargestellten Not der pflegenden Angehörigen wurde keine konkrete Maßnahme beschlossen. Die Eltern wurden auf die nächsten 9 Monate vertröstet. In diesem Zeitraum sollen Recherchen stattfinden, wie viele Personen es genau betrifft, was die Maßnahme „Anstellung“ kosten würde und ob überhaupt das Anstellungsmodell (Pilotmodell Burgenland) für Salzburg relevant wäre.
So wichtig es ist, genaue Zahlen zur Verfügung zu haben und die Vernetzung mit den unterschiedlichen Abteilungen voranzutreiben, so dringend wären Hilfen, die JETZT stattfinden.
Die Landesregierung weiß nicht erst seit gestern von der Not der pflegenden Angehörigen und hätte schon in den letzten Monaten mehr Recherchen anstellen können. Obwohl von den Abgeordneten mehrmals betont wurde, wie furchtbar die Situation sei und Empathie zu spüren war, stand am Ende der Aussagen sehr häufig das Wort „Aber“. Man wolle den Patentanten kein X für ein U vormachen, es werde eh schon viel mehr Geld im Sozialbereich ausgegeben als in den letzten Jahren und die Verhandlungen und Recherchen würden eben Zeit brauchen.
Was bleibt ist wieder einmal das Gefühl der Ohnmacht und Verzweiflung angesichts der Situation der pflegenden Angehörigen.
Bei diesem Landtagsausschuss materialisiert sich einmal mehr die Erkenntnis Jantzens (2018): Der Wissenschaftler spricht nicht nur von „Sonderkindern“, sondern von der gesellschaftlichen Konstruktion von „Sonderfamilien“, „Sondermüttern“ und „Sondervätern“. Die Familien erleben Abwertung, Ausgrenzung und strukturelle Benachteiligung.
Irene Moser für IÖ
Die Videoaufzeichnungen und genauen Protokolle zu den einzelnen Debatten dieses Ausschusstags können im Landtag-Videoarchiv des Landes Salzburg abgerufen werden.